Kulinarischer Kurzurlaub in Wien

Sommer ist Urlaubszeit – statt mit Millionen Anderen Richtung Lignano, Caorle & Co. zu starten, sind unsere Urlaubsdestinationen meist in der entgegengesetzten Richtung zu finden. Heute berichten wir über die kulinarischen Erlebnisse unseres Kurzurlaubs in Wien am vergangenen Wochenende.

Das Wetter meinte es gut mit uns, wohl zu gut – als die Außentemperaturanzeige um 10 Uhr vormittag die Marke von 35° C knackte und Nicola Biermeir auf Ö3 vor der noch ansteigenden Hitze der kommenden Tage „warnte“, wusste ich bereits, dass unsere kleine Tour ein eher schweißtreibendes Unterfangen sein würde. Wir haben aber noch jeden Urlaub sehr gut verbracht, trotz Wind und Wetter. Der Chill-Faktor – man muss alles locker sehen – ist die Erfolgszutat.

Ich reiste von Leoben an, Eva von Linz. Wir trafen uns in der Mittagshitze vor dem Wiener Westbahnhof. U-Bahn und Straßenbahn ohne Klimaanlage – unsere Befürchtungen einer zu extremen Hitze verdeutlichten sich schon nach wenigen Minuten. In der Jugendherberge „Porzellaneum“ in der namensgebenden Porzellangasse angekommen, eingecheckt und umgekleidet starteten wir wieder raus auf die Straße, denn viel Anlass zu bleiben ließ einem das spärliche Zimmer nicht. Aber macht nichts, zum Schlafen reicht’s und die Lage war top.

Unser erster Stopp, der Rathausplatz, ist jeden Sommer der Veranstaltungsort des Wiener Sommerkinos mit benachbartem Food-Court. Indisch, Persisch, Japanisch, Chinesisch, Wienerisch, Australisch und viele andere Küchen sind vertreten. Nach einer Tour um den Platz die schwere Entscheidung: was sollen wir essen? Es wurde japanisch, genauer gesagt gebratene Schweinefleisch-Dim-Sum und gebratene Nudeln mit Garnelen in soetwas wie Teriyaki-Sauce. Um den Platz sind Ventilatoren mit eingebauter Berieselungsanlage verteilt, wodurch ein richtig angenehmes Mikroklima erzeugt wurde. 2:0 für uns!

Erfrischender Rosenspritzer im Deli

Erfrischender Rosenspritzer im Deli

Keine kulinarische Tour durch Wien ohne den obligatorischen Besuch des Naschmarkts. Er ist so groß wie vier Fußballfelder und erstreckt sich langgezogen zwischen Rechter und Linker Wienzeile. Der Markt besteht schon seit dem 16. Jahrhundert und ist heute nicht nur Zentrum des Lebensmittelhandels, sondern kulinarisch generell interessant. Die Hitze drückte und so kehrten wir ein, ins deli, einem sehr empfehlenswerten Bar-Restaurant-Mischung direkt im Naschmarkt. Es ist nur eines von vielen gestronomischen Betrieben am Marktgelände. Der Rosenspritzer schmeckte hervorragend!

ichkoche.at stellte Kitchen Affairs freundlicherweise den Besuch eines Kochkurses in ihrer 2012 gegründeten Kochschule zur Verfügung: wir wählten Easy Summer Cooking. ichkoche.at ist ein großes Rezepte- und Kochportal – es lohnt sich reinzuschauen. Von unserem Fesnterplatz im deli sahen wir bereits das Logo der Kochschule; der Verdacht des kulinarischen Zentrums „Naschmarkt“ erhärtet sich. Mehr über den Kochkurs erfahrt ihr hier.

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Die Nacht war lang, erst in verschiedenen Bars, dann im vollkommen aufgeheizten Zimmer. Da will man Morgens nichts wie raus. Auf der Suche nach einem kleinen Frühstück fanden wir in der Neustiftgasse das modern anmutende, aber recht gemütliche Restaurant Marks. Der Besitzer wies uns höflich darauf hin, dass er leider noch nichts zu essen habe, aber es war ja auch erst 9 Uhr. Mit seinem nächsten Satz überzeugte er uns, wieder zu kommen: „Ich habe gerade den Teig für die Croissants geknetet, wir machen ja alle Brote selbst. Der Koch kommt dann so um 10 und dann gibt’s mehr als nur Kaffee.“ Ohne darüber sprechen zu müssen entschieden wir uns für Brunch im Marks. Der Zeitvertreib in der Mariahilfer Straße und einem Tall Cappuccino with Vanilla Shot im Starbucks war kurzweilig.

Sehr schön und modern eingerichtet - das Marks in der Neustiftgasse

Sehr schön und modern eingerichtet – das Marks in der Neustiftgasse

Zurück im Marks, endlich Brunch. Die Karte war klein, aber fein, allesamt sehr stimmig. Eva bestellte ein vitales Gaumenfest, ich eher die klassische Variante.

  • Evas Deli Frühstück: Spiegeleier mit Ras El Hanout, Olivenhummus, Grillgemüse mit Weissbrot
    Joghurt mit Feigen, Walnüssen und Honig.
  • Hangover Frühstück von Thomas: Ham and Eggs, Grilltomate, Würstchen, Kartoffeln aus der Pfanne, Croissant mit Butter und hausgemachter Marmelade.
Evas Deli-Frühstück

Evas Brunch ist angerichtet – das Deli-Frühstück von Marks

Hollundersaft mit Limette und Minze, einfach traumhaft zum Brunch

Hollundersaft mit Limette und Minze, einfach traumhaft zum Brunch

Mehr wollen wir dazu nicht verraten, das Marks hat uns in allen Punkten voll überzeugt und wir werden ihm sicherlich wieder einen Besuch abstatten, sobald wir wieder in Wien sind. Ein echter Tipp!

Am Abend zog es uns wieder in die Gegend des Naschmarkts. Zuerst schauten wir Bobby’s English Shop vorbei und frischten unseren Vorrat an HP Brown Sauce wieder auf. Die Auswahl ist sehr gut, und es erleichtert einen sicherlich bei öfterem Besuch die britischen Essens- und Lebensgewohnheiten zu verstehen und auch zu schätzen. Gleich ums Eck liegt Babette’s – ein Buchladen ausschließlich für Kochbücher. Mitten im Raum steht eine schöne Küche, in welcher Mittags gekocht wird bzw. abends auch Kurse angeboten werden. Das Geschäft war echt der Hammer, einige Stunden kann man darin leicht verbringen. Wir gingen auch nicht mit leeren Händen nach Hause.

Die Küche im Babette's

Die Küche im Babette’s

Eines der vielen Bücherregale, ein Sammelsurium und geballtes Kochwissen und Inspiration zugleich

Eines der vielen Bücherregale, ein Sammelsurium und geballtes Kochwissen und Inspiration zugleich

Abendessen im deli: gerolltes Pitabrot mit Lammspiess, Humus und Salat@Thomas, Bagel mit Truthahnfilet, scharfem Currydip und Ananas@Eva. Der Abend ist in den gut klimatisierten Hallen des Flanagans Irish Pub bei Cider und Red Ale abgekühlt, dann noch ins Kruger’s American Bar auf einen Mojito/Moscow Mule und auf den Rathausplatz auf je ein Nutella-Crêpes. Man kann es schon rauslesen, die Nutellabombe hätte nicht mehr sein müssen.

Am Samstag statteten wir dem Karmelitermarkt im 2. Wiener Bezirk einen Besuch ab. Er ist viel kleiner als der Naschmarkt, umfasst er circa 80 Marktstände. Durch die Größe ist der Markt ruhiger und gemütlicher. Es finden sich viele heimische Spezialitäten und Spezialisten, so auch ein Pferdefleischer, bei dem Thomas sich sogleich eine Scheibe Pferdeleberkäse genehmigte. Auch ein Waldmeister-Sirup wanderte in unsere Einkaufstasche. Aber auch kulinarish bietet der Markt viel, Frühstück, Jause und Snacks – man findet einfach alles.

Krönender Abschluss des Urlaubs: Sushi-Brunch im Unkai, das japanische Restaurant des Grand Hotels. Es ist schon ein einzigartiges Gefühl durch die elegante Lobby eines solchen Hotels zu schreiten, mit dem goldglänzenden Fahrstuhl auf das Dachgeschoss zu fahren und dort von stilecht gekleideten asiatischen Damen empfangen zu werden. Zur Begrüßung einen Gruß aus der Küche: geriebener und eingelegter Rettich mit Lachsfaschiertem und Frühlingszwiebeln. Grüntee ist der treue Begleiter dieser kulinarischen Erfahrung. Lachs-, Gurken- und Avocadomaki, Lachs-, Thunfisch- und Garnelensushi – soweit gehen die Erfahrungen der meisten Leute im Bezug auf rohen Fisch. Das Grand Hotel lässt keinen schlechten Ruf aufkommen: Makis, Rollen in verschiedensten Varianten und ein kleiner unauffälliger japanischer Marktwagen, hinter dem zwei Köche stehen. Man bestellt seine gewünschten Sushi und die Augen können den flinken Händen der Köche folgen, die jedes Sushi frisch und direkt vor dem Gast zubereiten. Neben Lachs, Garnele und Thunfisch gab es auch Seebarsch, Hotate-Muschel, Oktopus (Unnützes Wissen: Die Mehrzahl lautet Oktopoden.), Tintenfisch, Silago, Lachkaviar, Spicy Tuna und Wasabi Jakobsmuscheln. Wir haben alles probiert, manches schmeckte uns besser als anderes, aber alles war gut. Der ganze Besuch war ein Highlight, welches wir hoffentlich einmal jährlich wiederholen können.

Fazit: Wien ist auf jeden Fall eine kulinarische Reise wert. Es gibt noch viel mehr zu besuchen und unbekanntes zu entdecken.

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