Currywurst, Bánh Mì und Berliner Weiße

Letzten Freitag klingelte unser Wecker bereits um 3 Uhr morgens. Was will man zu dieser unchristlichen Stunde? Auf Urlaub fahren! Dieses Mal ging’s nach Berlin.

Unsere Urlaube sind immer eine gesunde Mischung aus Kultur, Ausgehen und natürlich Kulinarik. Als Kaffeeverrückte waren wir allerdings in Sorge, denn unsere bisherigen Kaffeeerfahrungen in Deutschland waren eher ernüchternd. Der Abschiedskaffee am Flughafen Wien-Schwechat fiel entsprechend schwer – komplett unbegründet, wie sich später herausstellen sollte. Bereits um 9 Uhr früh waren wir in Berlin, das uns mit Wind und eisigen Temperaturen empfing. Dennoch: Schnell ab ins Hotel und los mit dem Programm.

Wir starteten mit einer Tour, die wir im Internet gefunden hatten und waren erstaunt, wie schnell man das touristische Kernprogramm  „erledigen“ kann. Potsdamer Platz, Holocuast-Mahnmal, Brandenburger Tor, Reichstag, Bundeskanzleramt, die Siegessäule, Alexanderplatz mit Fernsehturm, verschiedene Kirchen und noch so einiges mehr hatten wir in einem Tag erkundet – ein Muss für Kurzurlauber. Die West- und Ostteile der Stadt wurden später separat und hauptsächlich zu Fuß begutachtet. Die verschiedenen Viertel und Bezirke unterscheiden sich wesentlich voneinander, auch was Bars und Restaurants angeht.

Da wir keine Sehenswürdigkeiten-von-Innen-Betrachter sind, blieb uns genügend Zeit für touristisch eher unerschlossene Aktivitäten. Wir besuchten einen Luftschutzbunker am Bahnhof Gesundbrunnen, der während des Zweiten Weltkriegs erbaut wurde. Die Führung wird vom Verein Berliner Unterwelten angeboten und ist wirklich sehr empfehlenswert, da man einen guten Einblick über die damaligen Verhältnisse bekommt. Das Highlight war eine eingebaute Rohrpostanlage. Wir besuchten auch den stillgelegten Stadtflughafen Tempelhof, dessen Hauptgebäude noch heute das viertgrößte Gebäude der Welt ist. Das ehemalige Flugfeld ist nun ein riesiger Park. Ganz untypisch für uns war, dass wir sogar ins Museum (wenn auch nur im Schnelldurchlauf) gingen: sowohl das Deutsche Historische Museum mit der Sonderausstellung „Auftragsfotografie in der DDR“ als auch das interaktive DDR-Museum sind Erlebnisse für sich.

Nun aber zu dem Teil der uns am meisten gefallen hat: das Essen. Bei der Planung unseres Urlaubs mussten wir schnell feststellen, dass Berlin derart groß ist, dass wir nicht einfach auf gut Glück los ziehen wollten. Wir suchten uns also im Internet einige Tipps heraus, auch wenn wir uns nicht immer daran halten wollten. Was von Vorherein nicht auf unserer Liste stand war deutsches Essen, denn die Berliner Küche unterscheidet sich nur marginal von dem, was wir bereits kennen. Die Vielfalt der Kulturen in Berlin schlägt sich auch auf die Foodszene nieder, wie wir schnell erkennen konnten. Im Bezirk Prenzlauer Berg sind die Straßen gesäumt von trendigen Coffeeshops und Delis. Wenn man etwas sucht, findet man auch wirklich einzigartige Restaurants. Mit mehr Details oder einem Reisebericht wollen wir euch aber nicht weiter nerven. Hier sind unsere kulinarischen Highlights aus Berlin:

Cô Cô bánh mì deli, Rosenthalerstr. 2, 10119 Berlin, http://www.co-co.net/: Unser erster Stop in Berlin war dieses Deli, das vietnamesische Spezialitäten in Baguettes packt. Die zwei Köche waren Vietnamesen, es lagen überall frische Zutaten (vor allem Ingwer und Limetten) rum, und beim ersten Bissen offenbarten sich wundervolle, abwechslungsreiche Aromen. Thomas hatte ein bánh mì mit mariniertem Schweinefleisch, Eva das bánh mì mit gegrillten Zitronengras-Fleischbällchen. Auch Mayonnaise, Leberpastete, Koriander, eingelegtes Gemüse und Saucen waren mit dabei. Wir mussten von dort unbedingt wieder weg, denn die Suchtgefahr ist groß!

Massai, Lychener Str. 12, 10437 Berlin, http://www.massai-berlin.de/: Eine neue Fooderfahrung wollten wir unbedingt nicht verpassen. Wir waren noch nie afrikanisch essen. Im Massai wurden wir fündig, und es hätte besser nicht sein können. In einem thematisch bis ins kleinste Detail perfektionierten Lokal empfangen traditionell gekleidete Kellnerinnen die Gäste. Spätestens nach dem Gruß aus der Küche, einem gebackenem Erbsenlaibchen mit Berberesauce, waren wir vollkommen überzeugt. Das Essen war einzigartig und war sehr authentisch. Bei uns am Tisch standen SAYOUVA (Lammfleisch mit verschiedenen Gemüsesorten, Zwiebeln und Berbersauce und Couscous) und AGBISA (verschiedene Gemüsesorten mit Kochbananen und Okra).

Bei einem Besuch in Berlin darf die traditionelle Currywurst mit Pommes(-Schranke) nicht fehlen! Direkt neben unserem Hotel fanden wir Ziervogels Kult-Curry (Schönhauser Allee 20, 10435 Berlin, http://www.kult-curry.de/) – wie wir später erfahren haben ist es eine Institution in Berlin. Die Entscheidung hier fällt leicht: Wurst mit oder ohne Darm, ein Blick auf die Schärfeskala und auf geht’s!

In Berlin kommt man unweigerlich mit der Ostalgie in Berührung. Also wollten wir auch dementsprechend Essen. Am letzten Abend kehrten wir im Gorki Park (Weinbergsweg 25, 10119 Berlin, http://gorki-park.de/) ein. Es war der einzige laue Abend und wir konnten sogar im Freien sitzen. Ein Blick auf die Speisekarte erfüllte uns bereits mit Vorfreude. Wir teilten uns eine Vorspeisenplatte „Proletariat“ mit Blini, Pumpernikel, eingelegtem Gemüse und Speck. Als Hauptspeise probierten wir die verschiedensten Arten der hausgemachten Wareniki und Pelmeni: Teigtaschen gefüllt mit Lamm-, Schwein-, Rindsfaschiertem, oder mit Topfen, Schafskäse, Spinat. Mit Hausvodka, Ingwertee, Moscow Mule und russischem Bier ließen wir es uns bis spät in die Nacht gut gehen.

Frühstück ist immer wichtig für uns. Die ersten Morgen verbrachten wir im Coffeeshop Impala, direkt gegenüber unseres Hotels. Am letzten Tag nahmen wir eine längere Anreise in Kauf und wachten in einer anderen Welt auf. Betritt man das von außen unscheinbare Nalu Diner (Dunck­er­str. 80A, 10437 Berlin, http://nalu-diner.de/) eröffnet sich ein authentisch eingerichtetes amerikanisches Diner, in dem Oliver und James die Gäste auch entsprechend versorgen: mit perfektem Filterkaffee (inklusive Nachschenkservice), Pancakes, Hashbrowns, krossen Speckstreifen, Fried Eggs, uvm. Eva machte einen herausragenden Volltreffer: das hawaiianische Frühstück mit faschiertem Laibchen auf Sushireis und Bratensauce.

Auch touristische Hotsports sind durchaus für Foodies geeignet. Beim Ritter-Sport-Flagshipstore auf der Französischen Straße kann man seine eigene Schokolade zusammenstellen, und seine Ritter-Sport-Trinkschoko mit einem Ritter-Sport-Kuchenwürfel genießen. Den unglaublichsten Programmpunkt legten wir allerdings gleich am ersten und zudem verregneten Tag ein: das Kaufhaus des Westens (KaDeWe) in der Tauentzienstraße. Im obersten Stockwerk ist die sogenannte Feinschmeckeretage, auf deren 7.000 Quadratmetern man die größte Feinschmeckerabteilung Europas findet. Von ausgefallenen Wurstsorten, über Käse, Spezialitäten aus Nah und Fern bis hin zu sündhaft teurem Quellwasser von den Fidschiinseln. Hier findet man alles, woran man nur denken kann; wir haben in der Schokoladenecke zugeschlagen.

Berlin ist definitiv eine Reise wert, vor allem wenn man sich in kurzer Zeit durch viele kulinarischen Kulturen schlemmen will.

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